Philosophische Wege in den Nationalsozialismus: Ideen, Netzwerke und Kontexte

July 29, 2026 - July 31, 2026
Kolleg Friedrich Nietzsche, Klassik Stiftung Weimar

Weimar
Germany

Organisers:

(unaffiliated)
Technische Universität Berlin
McMaster University

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Jüngere historische Forschungen zeigen, dass der Nationalsozialismus auf eine breite Unterstützung aus Wissenschaft und Forschung setzen konnte. Die Philosophie spielte in dieser „akademische Selbstmobilisierung“ (Raphael 2014) eine Vorreiterrolle, deren vielschichtige Bedeutung immer noch unterbelichtet ist—trotz vereinzelter Arbeiten zu diesem Thema (z.B. Heinz und Gretic 2006; Konitzer und Palme 2016; Korotin 1994; Laugstein 1989; Sandkühler 2009; Sieg 2013; Sluga 2013; Wolters 1999; mit revisionistischer Absicht Tilitzki 2002). Der 1917 in den Kant-Studien publizierte Vortrag Der Begriff der Nation: Ein Kapitel zu Geschichtsphilosophie ihres Herausgebers Bruno Bauch produzierte einen Skandal, weil darin Rassismus mit den Mitteln der klassischen deutschen Philosophie begründet und das wahre Verständnis Kants auf die deutsche Volksgemeinschaft beschränkt wurde. Aufgrund der Proteste gegen die Publikation seines Aufsatzes verließ Bauch die Kant-Gesellschaft und gründete die Deutsche Philosophische Gesellschaft, die zum Sammelbecken für völkisch- und faschistisch-orientierte Philosophen wurde. Diese Episode im Kontext des Neukantianismus ist bezeichnend, weil sie dokumentiert, dass die Philosophie nicht nur ideologisch, sondern auch durch die Initiierung von Netzwerken zum Aufstieg des Nationalsozialismus beitrug. Unsere Tagung will sich mit eben diesem Schnittpunkt von philosophischen Ideen und ihrer Verbreitung durch Vernetzung anhand unterschiedlicher Kontexte auseinandersetzen. Aus dieser Perspektive wollen wir uns folgenden Fragestellungen widmen: Welche Ideen prägen die philosophischen Ansätze, die sich in den NS einbringen? Auf welche Weise machten Philosophen den Begriff der „Rasse“ zum Bezugspunkt ihres Denkens? Wie werden völkische Bewegung und philosophischer Anti-Universalismus miteinander verbunden? Welche Rolle spielt die kritische Verwerfung von Vernunft und der insbesondere von Georg Lukacs (1954) hervorgehobene Irrationalismus der modernen bürgerlichen Philosophie mit ihrem Hang zur Kulturkritik? Welche institutionellen Formen nimmt das politische Engagement der Philosophen an und welche Arten des intellektuellen Aktivismus entstehen dadurch? In welcher Rolle gegenüber der Politik sehen sich Philosophen, die sich zu Faschismus oder Nationalsozialismus bekennen?

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