Genre und Zeit - Tagung der AG Genre Studies der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

November 7, 2019 - November 8, 2019
Universität Bielefeld

Universitätsstraße 25
Bielefeld
Germany

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Genre und Zeit

Tagung der AG Genre Studies der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM)

07.-08. November 2019

Organisation: Prof. Dr. Joachim Michael

Universität Bielefeld

Genre und Geschichte bilden einen Zusammenhang, der unmittelbar ins Auge springt, wenn die Wertschätzung einzelner Epochen gegenüber bestimmten Gattungen bedacht wird. Es entsteht ein Band zwischen beiden, und in der Folge stehen einzelne Gattungen für eine Epoche und verweisen in eigentümlicher Manier auf sie. Dass dies nicht nur für literarische Gattungen gilt, sondern dass Geschichtlichkeit ein allgemeines Merkmal von Diskursgenres ist, hat schon Michail Bachtin herausgearbeitet. Mit diesem Begriff fasst Bachtin alle stabilen Formen und Typen von Äußerungen, die wesentlich zum Zustandekommen von Kommunikation beitragen. Die Unterscheidung zwischen einfachen (primären und oralen) und komplexen (sekundären und meist schriftlichen) Genres mag in vielerlei Hinsicht diskussionswürdig sein, sie rückt jedoch auch in den Blickpunkt, dass Genres im Wandel des Kommunikationsgeschehens ineinander übergehen. Dies erscheint für die Medienentwicklung als besonders relevant, insofern als jüngere Medien Genres älterer übernehmen und umgestalten. So fällt ein erhellendes Licht auf die Medienkulturgeschichte, insofern als Genres technischer Medien auf jene Vorformen verweisen, aus denen sie hervorgegangen sind. Hierin ist eine Art generisches und transmediales Gedächtnis zu erkennen, das über die bereits erfolgten Äußerungen (Artefakte, Filme, Texte, Bilder usw.) hinausgeht, zu denen das betreffende Genre einen Bezug herstellt.

Über die generischen Verflechtungen zwischen Gegenwart und Vergangenheit hinaus gilt es in der Tagung der AG Genre Studies auch, die Beziehungen zwischen Genres und Zeit im Hinblick darauf herauszuarbeiten, wie diese die Wahrnehmung und Erfahrung von Zeit ermöglichen und gestalten. Als Ausgangspunkt mag mit Paul Ricoeur dienen, dass die Auseinandersetzung mit der (vergangenen) Zeit über die Erzählung erfolgt, die wiederum das weite und unbeständige Repertoire an narrativen Genres zur Voraussetzung hat (von denen Ricoeur lediglich die sehr allgemeinen Gattungen der Geschichtsschreibung und der Fiktion erwähnt). Von besonderem Interesse für die Tagung mögen inbesondere jene Genres sein, die die Zeit selbst in ihren vielfältigen Erscheinungsweisen zum Gegenstand des Erzählens machen. Naheliegend sind zunächst Genres, die die Vergangenheit zum Thema haben. Mythische Zeit kommt in Sagen und epischen Erzählformen zum Ausdruck. Geschichtsstifende Rekonstruktionen werden u.a. von Chroniken, historischen Romanen, Historienfilmen, Geschichts-Dokus oder von der Historienmalerei geleistet. Dazu gehören auch lebensgeschichtliche Formate wie die Biografie und Autobiografie. Letztere verweist zugleich auf eine memorierende Erfassung der vergangenen Zeit, wofür sich Memoiren oder das Zeugnis anbieten. Die Gegenwart wird in der großen Vielzahl gesellschaftsanalytischer sowie dokumentarischer Formen thematisch, sie nimmt aber insbesondere in den journalistischen Nachrichtenformaten Gestalt an. Diese entwickeln Wahrnehmungsweisen der Gegenwart als Gleichzeitigkeit und Jetzt-Zeit mit Übertragungen des lebendigen Geschehens in Form von Live-Schaltungen. Dass dies erst mit den technischen Telemedien möglich wird, zeigt auf, dass sich mit dem Medienwandel und seinen generischen Ausgestaltungen seit dem 19. Jh. ein Zeitregime bildet, das sich auf die Gegenwart ausrichtet. Simultanität wird zu einem Signum der Moderne, wie auch McLuhan hervorhebt, weil instantane mediale Übertragungen Fern-Anwesenheit wahrnehmbar machen. Zudem manifestiert sich die Gegenwart als Kette flüchtiger Augenblicke, wie sie Momentaufnahmen v.a. fotografischer Art vermitteln. Die Gegenwart als kurzfristiger Übergang zum Kommenden lenkt den Blick auf die Zukunft, die die Moderne mittels eigener Erzählgenres vorstellbar macht. Hierzu zählt die zeitliche Wendung von Utopien und Dystopien, die bestimmte Gesellschaftszustände von einem Un-Ort in eine Un-Zeit verlegen. Apokalyptische Genres in ihren modernen, bzw. nicht-theologischen Ausgestaltungen wären ebenfalls zu nennen. Nicht zuletzt macht das Science-Fiction-Genre die Zukunft mit besonderer Berücksichtigung ihrer technischen Neuerungen anschaulich. Demgegenüber vermitteln fortgesetzte bzw. serielle Formen des Erzählens Erfahrungen der Gegenwart als Kontinuum, das sich wie im Falle der Nachrichtenformate oder Soap Operas als unabgeschlossen darstellen kann oder aber als zyklisch, wie es finale Serienformate nahe legen. Eine andauernde Gegenwart, die richtungslos bestehen bleibt, scheinen das Internet und die Netzwerkmedien zu vermitteln u.a. mit ihren Archiv- und Streamingformaten.

Die Tagung lädt mit anderen Worten dazu ein, die mannigfaltigen und speziellen Zeiterfahrungen zu diskutieren, wie sie von spezifischen Genres in ihren betreffenden medialen Ausgestaltungen vermittelt werden. Zugleich könnten derartige Untersuchungen Umrisse einer generischen Geschichte der Zeit erkennen lassen.

Wir bitten um Einreichungen von Abstracts und Kurzbiographien (jeweils ca. 1.000 Zeichen) für projektierte Vorträge bis spätestens zum 31. August 2019 an den Veranstalter Joachim Michael (Joachim.Michael@uni-bielefeld.de) sowie die Sprecher der AG Genre Studies Ivo Ritzer (ivo.ritzer@uni-bayreuth.de) und Peter W. Schulze (peter.schulze@uni-koeln.de).

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